Woche 10 - Der Mittellandkanal zwischen Edes- und Abbesbüttel
- Leiya
- 8. März 2021
- 3 Min. Lesezeit
Neue Woche, neue Tour. Seid gegrüßt, ihr Lieben. Hier ist wieder einmal Florin, der Teddy.

Leiya war bei ihrem Vater, und deshalb sitze ich hier am Mittellandkanal in Edesbüttel.
Und von dort sind wir nach Abbesbüttel gelaufen. Die Karte ist wie immer aus der Komoot-App.

10,2 km 2Std 25Min 4,2km/h
Beobachtete Tiere:
- Rotmilan - 50 Kraniche
- 3 Möwen
- einige Stockenten
- Ein Buntspecht
Und ich hab euch etwas zur Geschichte des Kanals mitgebracht. Aber erst einmal zu der Stelle, an der ich hier sitze. Da ist nämlich nicht nur der Mittelllandkanal:

Hier mündet der Elbe-Seitenkanal in den Mittellandkanal. Kann man bei Kanälen überhaupt von münden reden? Viel fließt da ja nicht. Das Grüne im Hintergrund ist ein Schutztor. Das wird geschlossen, wenn etwas am Kanal so kaputt geht, dass das Wasser ausläuft. Und damit es nur in einem Teilstück ausläuft und sich nicht der gesamte Kanal im Umland ergießt, existieren diese Tore. Kurz nach Fertigstellung des Elbe-Seitenkanals ist es nämlich an mehreren Stellen zu derartigen Schäden gekommen.

Aber kommen wir zurück zum Mittellandkanal. Ein ehrgeiziges, 320 km langes Bauprojekt des frühen 20. Jahrhunderts. Erste Pläne einer künstlichen Wasserstraße zwischen dem Ruhrgebiet und der Elbe entstanden schon Mitte des 19. Jahrhunderts, konkret mit dem Bau begonnen wurde 1906. Mit dem Teilstück zwischen Peine und Magdeburg, an dem wir uns hier befinden, wurde aber erst 1928 angefangen.

Über den Mittellandkanal führen viele Brücken. Mit der im Hintergrund des ersten Bildes sind wir an 6 Brücken vorbeigekommen und eine siebte haben wir am Ende gesehen. Aber es gibt nicht nur Brücken, die über den Kanal führen. Dieses kleine Bächlein, die Edesbüttler Riede, fließt erst unter dem Mittelland- und danach unter dem Elbe-Seitenkanal lang.

Da hinten kommt sie am anderen Ende wieder raus. So was nennt sich Düker, wie auf dem Schild da steht. Und man sieht hier eine Art der Uferbefestigung. Die V-Form, die natürlicher ist, als die Kastenform: metallene, senkrechte Spundwände. Sollte ein Reh in den Kanal fallen, käme es hier von selbst wieder raus. Allerdings sind Spundwände platzsparender, was im späteren Abschnitt, sagen wir mal kleine Vorteile bringt.

Tja, von den Dingern hier gibt es auf den Kanälen viele: Frachtschiffe. 15 Stück haben wir gesehen. Einige schienen leer zu sein. Dieses hier war mit Holzschnitzeln beladen. Andere waren abgedeckt und lagen tief im Wasser. Wieder andere hatten komische Röhren und Hähne auf der Abdeckung. Wahrscheinlich waren jene Schiffe mit Gas beladen.

Richtung Abbesbüttel geblickt haben wir immer Nebel gesehen. Hinter uns war es wesentlich klarer.
Die Brücke führt zum Gut Martinsbüttel. Die Ländereien von Martinsbüttel gehören übrigens zu Wedesbüttel, wo ich ja schon mal war. Das Gut selbst ist übrigens im 19. Jahrhundert von Wedes- nach Martinsbüttel umgesiedelt.

Das hier ist das Gutshaus von Martinsbüttel. Wir haben hier mal den Kanal verlassen um uns diese Siedlung anzusehen. Sie ist sehr klein, nur wenige Häuser. Aber vielleicht ist das auch kein Wunder, wenn das Gebiet erst mit der Umsiedelung des Guts wieder bebaut wurde. "Wieder" weil das Gebiet dort schon einmal besiedelt gewesen war, und zwar zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert.
Dann sind wir ein Stück oben am Kanal langegangen. Oben? Ja, denn kurz vor Martinsbüttel beginnt eine Böschung. Der Kanal fängt an, sich in die Landschaft einzuschneiden.
Der nächste Ort war Wedelheine. Dort sind wir aber nur durchgekommen.

Hier war ich schon mal!! Das ist Wedesbüttel! Der Wasserturm und die Kapelle. Zu dem Gut in Wedesbüttel. Das heute in Martinsbüttel steht! Ist das nicht toll, Zusammenhänge vor Ort zu sehen?
Und wie das letzte Mal im Schnee sind wir auch hier wieder runter zum Kanal gegangen. Es war da unten immer noch dunstig.

Und hier sehen wir die Spundwände als Ufergestaltung. Und die steile Uferböschung. Und weil der Kanal hier so tief in die Landschaft einschneidet, ist das flache aber breitere V-förmige Ufer nicht möglich. Die Schlucht hätte noch mehr verbreitert werden müssen und das hätte oben mehr Felder zerstört, als nötig. Und noch immer war es nebelig. Schön, wie die Sonne ihre Strahlen durch den Dunst schickt.

Unser Zielort, Abbesbüttel. Um genau zu sein, die Marina, ein Neubaugebiet, das auf dem Gelände des ehemaligen Kalksandsteinwerks entstanden ist. In den frühen 2000ern wurde die Siedlung gebaut. Aber ich glaube der Sandabbau des Ortes ist eine Geschichte für sich. Die Sonne ging unter und wir wollten noch zu einem weiteren Ort im Dorf:

Das Denkmal, wo die oben erwähnte Jahreszahl 1928 noch einmal steht. Zehn Jahre später war der Kanal bis Magdeburg befahrbar. Es gibt Berichte, dass im Gebiet der Gemeinde Meine, zu der abgesehen vom Startpunkt alle Orte auf unserer Tour gehören, eine Lokomotive umgekippt sei¹. Sie konnte wohl nicht mehr aufgehoben werden und soll noch immer im Kanalbett liegen.
Und mit dieser kuriosen Information verabschiede ich mich bis zur nächsten Woche.

Hochachtungsvoll,
Florin, der Teddy, der gern hier neben dem Denkmal einen schönen heißen Feierabendtee nach der Wanderung hätte.
¹Aus: Henning Meier: "Meine Das Zentrum im Papenteich", 2006




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